BienenvolkFuttern und Kuscheln

Futtern und Kuscheln

Was machen Deine Bienen eigentlich im Winter, Johannes? Erfrieren die, wenn es richtig kalt wird?

Diese Frage wurde mir in den letzten Wochen häufiger gestellt, sodass ich diese hier im Blog direkt beantworten möchte.

Die Bienen haben im Winter eigentlich ein Traumleben: Sie futtern und kuscheln. Viel mehr tun sie tatsächlich nicht. Hauptziel besteht darin den Winter zu überleben. Verliert eine Biene bei Außentemperaturen um die 5°C den Kontakt zur Wintertraube, fällt Sie in eine Schockstarre und erfriert – das geht recht schnell. Nur in der Gemeinschaft des BIENs können Bienen überleben. Dahinter steckt ein ausgeklügeltes System, großartiges Teamwork und eine enorme Leistung.

Sinken die Temperaturen im Herbst gen Nullpunkt, rücken die Bienen zu einer Wintertraube ganz eng zusammen. In dieser Traube (Größe in etwa eines Fußballs) kuscheln und wärmen sie sich gegenseitig und produzieren eine konstante Temperatur um die 34°C. Dabei spielt es keine Rolle wie kalt es draußen ist!

Futtern und Kuscheln

Um diese Temperatur zu erreichen können Bienen Ihre Flügel aus dem Flugmuskel ausklinken und lassen den Muskel dann auf Hochtouren – sozusagen im Leerlauf – laufen. Durch diese Anstrengung heizt der Trupp der „Heizer-Bienen“ dem Bien ein. Eine enorme Leistung, wie in finde. Das Heizen ist sehr anstrengend – daher wechseln sich die Bienen alle 10 Minuten ab. Die ruhenden Bienen werden zu Heizern und die Heizer zu ruhenden Kuschel-Bienen. Dann gibt es noch Bienen, die für den Treibstoff (Honig) zuständig sind. Diese kümmern sich darum, dass der Honig aus den Waben zu den Heizern transportiert wird und die Heizer immer genügend Honig zur Verfügung haben. Auch hier zeigt sich – das Bienenvolk lebt und handelt sozial. Nur gemeinsam kann es den Winter überstehen.

Was ich auch sehr spannend finde ist die Effizienz, mit der die Biene das tut. Sie verschwendet keine Energie. Direkt außerhalb der Traube – noch im Bienenstock hat es Außentemperatur, wie zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen. Aus diesem Grund können wir Imker uns die Mühe sparen, die Bienenstöcke in Decken einzuwickeln. In den Jahrtausenden, in denen die Bienen noch in hohlen Bäumen gelebt haben ging auch niemand durch den Wald und hat die Bäume eingewickelt. 😉

In der Wintertraube verharren die Bienen in der kalten Jahreszeit und bewegen sich gemeinsam über die Waben mit eingelagertem Honig. Der Honig, den die Bienen im Winter verzehren dient dann auch ausschließlich als Treibstoff zur Wärmeproduktion und nicht der Ernährung. Der Honig (Glukose & Fruktose) wird von den Heizer-Bienen in Reibungsenergie umgesetzt und damit der BIEN warm gehalten.

Ein weiterer Punkt, der mich unglaublich fasziniert ist, dass die Winterbienen deutlich älter werden, als ihre Sommerschwestern. Während eine Biene im Sommer etwa 40 Tage alt wird, werden die Winterbienen mehrere Monate alt. Sie schlüpfen im Herbst und überleben bis ins Frühjahr.

Sobald die Temperaturen über 10°C klettern, unternehmen vereinzelte Bienen, meist Wassersammlerinnen, kurze Ausflüge zur nächsten Wasserquelle oder zu den ersten blühenden Pflanzen (Haselnuss). Jetzt wisst Ihr was die Bienen so im Winter treiben: Futtern und Kuscheln… 😉

Euer Immenhannes

 

Hier gibt es noch einen interessanten Artikel zu den Tankstellen-Bienen:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/bienenstock-tankwarte-versorgen-heizer-a-577221.html